Ach die Manulli


Die Manulli saß in einem kleinen Kaffeehaus nahe Hafen.

Im Gegensatz zu den anderen Gästen dieser außergewöhnlichen Location, checkte sie nicht ihre E-Mails, scrollte auch nicht die mäßig verlogene I-need-attention-facebook-wall, schrieb weder SMS noch las sie Zeitung. “Was für eine unhöfliche Geste, dem Kaffee gegenüber, der gerade nach Aufmerksamkeit schreit”, dachte sie sich.

Der erste Schluck war wie ein feuchter, aufgeregter Kuss, der auf Ihre perfekten roten Lippen fiel. Die Lippen – Signalrot. Ein Anzeichen des totalen Widerspruchs. Einerseits schienen sie vor lauter “ungeküsstsein” zu schmerzen, andererseits waren sie so fürsorglich und liebevoll gemalt, dass Niemand mutig genug wäre, dieses Kunstwerk zu verschmieren… Der Kaffee küsste zärtlich, unbemerkt, intensiv.

Der zweite Schluck war die Süße mit einem kleinen bitteren Nachgeschmack. Sie mochte diese Kombination besonders morgens – da genoss sie das Spiel der Geschmäcker immer mit der selben Frage: “Was gewinnt heute? – Die Süße oder die Bitterkeit?”

Die restliche Zeremonie des Kaffeetrinkens widmete sie immer den Gästen des Kaffeehauses. Ungestört im Hintergrund genoss sie die Interaktionen, Emotionen und das schlichte und einfache Leben. Spannender als jedes Drehbuch, ehrlicher als jeder Film. Genau da fand sie Inspiration, Freude und Kraft, um ihren Tag anzufangen und Geschichten zu erzählen. Auf jede mögliche Weise, die ihr einfiel… Sie spürte und sah das Leben durch die Kunst. Die Kunst wäre das beste Mittel um zu zeigen, wie sie fühlt… Zu zeigen, wie wundervoll der Kaffee in der Früh sein kann…

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