behind closed doors

Er lag neben ihr… Es herrschte Stille… Stille, die förmlich schreit…

Sie wälzte sich von links nach rechts. Er merkte genau, dass die Worte schon auf ihrer Zunge lagen.

Er kannte Ihre Zunge gut… In vielen Momenten der Anwendung. Auf seiner Haut, im Spiel des Kusses oder während sie sprach. Während sie ihm Geschichten erzählte, während sie stritt oder während sie der Welt ihre Welt erklärte. Besonders da war ihre Zunge sehr feurig, gnadenlos und unängstlich…

Jetzt spürte er, dass die Zunge zittrig ist, dass die Zunge ganz sanft etwas sehr Wichtiges und Fragiles zu sagen hat…

“Hej” begann sie ganz still

“Hej”

“Es gibt Vieles, das du nicht weißt, weil du es nicht wissen kannst. Ich liege jetzt hier. Geschützt. Und ja, mir geht es gut. Ich fluche nicht, ich schreie nicht, mir geht es einfach gut. Ich muss mich nicht schützen. Du bist die Stille in meinem Chaos. Der Ruhepol. Du kennst meinen Körper. Du kennst meine Stimme. Du kennst meine Gedanken. Du bist ein guter Mensch. Ich war nie so ein guter Mensch wie du. Du hast mich lieben gelehrt. Du hast mir gezeigt, dass ich es kann. Aber im Großen und Ganzen weiß ich gar nicht so richtig, ob ich es kann. Jetzt musst du mich lieb haben. In all deiner Stärke, die du in dir trägst, musst du mir versprechen, mich lieb zu haben, denn ich werde ab und zu unerträglich. Ich werde ab und zu kalt, grau, schwarz. Und ab und zu still und schweigsam. Auch da musst du mich lieb haben. Ab und zu werde ich untreu, unüberlegt, ungeduldig. Da, besonders da, musst du mich lieb haben. Fest halten, so stark, dass ich kaum atmen kann. Das hat mich das Leben gelehrt. Blut zu lecken hat es mich gelehrt. Bitte hasse mich nicht dafür, wie ich war, denn genau dann, wenn ich so werde, musst du da sein. Denn ohne dich werde ich es nicht schaffen. Es sind ja nur die Stimmen aus der Vergangenheit, die mich ab und zu wieder in die Dunkelheit holen wollen. Bitte erlaube es ihnen nicht, da ich ab und zu zu schwach bin, um ihnen zu widerstehen. Ich habe vieles gesehen, vieles gespürt. Ich habe zwischen Höhenflügen und Abgründen balanciert. Ich habe immer einen Kick gebraucht. Aber neben dir, bist du der Kick. Du bist die Herausforderung. Ich bitte Dich, mit all meinem Mut, den ich gerade aufbringen kann: liebe mich während ich zu einer Person werden könnte, die du hassen könntest. Stoppe mich, halte mich, sprich zu mir. Nur das kann uns retten. Wenn du mir versprichst, mich genau dann zu lieben, verspreche ich dir, dich immer zu lieben.”

Er schaute sie voller Erleichterung an und fragte: “gibst du mir gerade das ok, für dich da zu sein?”

“Ja, obwohl ich nicht genau weiß, wie es sich anfühlt, wenn jemand für einen da ist.”

Er küsste ihre Schläfe und sie schliefen behutsam in sich geschlungen ein.

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© 2016 by Manulli.

 

 

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