Siesta


Sie saß in einem dieser typischen kleinen Kaffeehäuser, mitten in der Altstadt. Das Klima war trocken und erreichte höchste Temperaturen. Den Gesichtern der Vorbeigehenden sah man den Wunsch nach Regen an. Es war früher Nachmittag. Siesta. Es herrschte Stille. Man hörte nur das Klimpern der Gläser, die der alte italienische Besitzer, gegen die gängigen Regeln der Siesta schlichtete. Er scherrte sich nie um Gesetze. Er ließ sich während seiner ganzen fünfzig Jahre langen Karriere als Bar Besitzer Nichts sagen. Ein Stolzer und Stuhrer. Genau das mochte sie an ihm, und treu wie sie war, besuchte sie nur sein Cafficio regelmäßig seit mittlerweile vielen Jahren, wenn sie in der Stadt war.

Die heiße brennende Luft roch nach Pheromonen, aber auch dem Oxytocin danach. Es roch nach Sex. Und das erste mal seit langer Zeit, den jährlichen Besuchen dieses Kaffeehauses war sie die, die nach Sex roch. Ihre Haut, Stück für Stück, roch nach allen Glückshormonen die Ihr Körper dieses Morgens produzieren konnte. Und es roch so gut, dass sie diesen Moment für ein wenig länger auf Ihrer Haut genießen wollte. Es war zu aufregend, um es in alter Manier mit dem Wasser runter zu spülen.

Sie erwischte sich dabei, dass sie von nun an auch zu dem Kreise der glücklichen Frauen gehörte, die zu Mittag schreien durften. Nicht aus Wut, sondern aus Extase.

Giuseppe, denn so hieß der alte Mann hinter der Bar, sah sie an und wusste sofort, dass sich dieses Jahr etwas an ihr verändert hatte. Sie schien anders zu sein. Die unruhige suchende Seele die er kannte, wirkte ausgeglichen. Sie wirkte beruhigt. Sie wirkte Sanft, aber vor allem wirkte sie glücklich.....

"Come stai signorina?" fragte er neugierig? Er kannte sie ja immerhin nur als Einzelgängerin. Eine Katze die sich nicht einsperren ließ und ihre Wege geht. Es kannte sie als die Frau, die immer in bester Gesellschaft - der Eigenen - seit Jahren jeden heißen Sommer zu ihm kommt, um in der Stille ihren Cappuccino zu genießen, und den Geräuschen der Familiären, sehr Intensiven, wahren, und intimen Siesta zuzuhören. Den Geräuschen des Lebens.... Bevor sie den Mund aufmachte, um Giuseppe von der großen Veränderung zu erzählen, stand diese in der Tür. So lebhaft wie nie.... Die Veränderung war groß, stark und männlich. Die Veränderung schnappte sie an der Hand, und ließ Signorina, ganz sanft in seinen Händen verschwinden. Ihre Augen strahlten. Ihre Haut roch plötzlich noch intensiver. In einem perfekten Zusammenspiel. Er entführte sie ohne Wiederrede und ohne Contra. Giuseppe schmunzelte vor sich hin, und widmete sich wieder seinen Gläsern.

#manulli #italien #schreiben #cappuccino #reise #extase #sex #chioggia #meer #ilmare

  • Grey Facebook Icon
  • Grey Instagram Icon

© 2016 by Manulli.

 

 

All photographs and text are the exclusive property of Ania Radziszewska  and are protected under international copyright treaties. The photographs may not be copied, reproduced, redistributed, manipulated, projected, published, used or altered in any way without the prior express written permission of Ania Radziszewska